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Schreib doch mal!
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Abendrot
 
Rastlos
immerfort suchend
zwischen fern und nah;
wie ein Poet
verzweifelnd, fluchend
der das Meer nie sah

Ohne dich
treib’ ich vergessen
neben Tag und Nacht;
zur Tafel geladen
und dennoch
kein Platz zugedacht

Hilflos
verloren, so spurlos
schwindet meine Zeit;
sanftes Abendrot
findet dein Gesicht und
Vollkommenheit

© Thomas Koppe, 2008

Thomas Koppe, Gedichte

Gänseblümchen
 
Zart’ Gänseblümchen schlafen noch,
die Köpfchen halb verdeckt - im Grase,
nun das Sonnenlicht
sie sanft und freundlich weckt.
 
Ein frisches Bad im Morgentau,
wer wird noch müde sein?
Sie strecken ihre Hälschen lang,
hinauf zum Sonnenschein.
 
Die Butterblume dort am Zaun,
sie wacht von Anbeginn
und hat die Kleinen stets im Blick -
als Kindergärtnerin.
 
So geb’ ich Acht, dass ich ja nicht
und wenn nur ausverseh’n,
ein Gänseblümchen niedertret’.
Sie würd’ es nicht versteh’n.

© Thomas Koppe, 2007

***

Viertel acht

Die Müllabfuhr, sie ist noch nicht gefahren
Nun ist es sieben durch - Was ist geschehen?
Das erste Mal - ich weiß nicht - schon seit Jahren
Mein Nachbar rät, die Ruhe zu bewahren!
Doch weit und breit kein Müllfahrzeug zu sehen

Im Fernsehen, da wird noch nichts berichtet
So lang ich denken kann gab's das noch nie
Kein Amtmann hat bisher aufs Amt verzichtet
Doch Müllberge die liegen aufgeschichtet
Das Ende ist gekommen - Anarchie

Im Radio wird noch alles totgeschwiegen
Mein Nachbar weiß, die Lage ist prekär
Schon schwirren über vollen Tonnen Fliegen
Die Nachbarin sie protestiert entschieden
Der Wind treibt gelbe Säcke vor sich her

Aus Fenstern spähen sorgenvoll Gesichter
Und schon formiert sich hier die Bürgerwacht
Das Urteil ist gesprochen, ohne Richter
Doch da, im fernen leuchten schon zwei Lichter
Ein Müllauto! Die Uhr schlägt viertel acht

Thomas Koppe, 2007

***

Die Süße
 
Bei Freud' und Wein saß ich und dacht':
"Das Leben, es ist fein!
Ja nicht's, was es noch süßer macht,
so könnt's für immer sein."
 
Da trat herein, mit garst'gem Schrein,
ein Engel in der Not.
Viel süßer noch als Freud' und Wein!
"Hallo, mein Zuckerbrot!"
 
Brav ging ich mit, was wollt ich Streit,
beklagte mich auch nicht.
Denn Spaß, den hatt' ich eine Zeit,
nun folgte halt die Pflicht.
 
Und bei der Linde dankte ich,
dass ich mich nicht gewehrt.
Und hörte: "Ach, wie lieb' ich dich,
mein Honigkuchenpferd".
 
Das Leben schenkt dir Karamell
und dies auch zur Genüge.
Du findest's dort in Sahnecreme
und hier in einer Rübe.

© Thomas Koppe, 2007

***

Das “Neue Museum”, es lud zur Kultur,
Kultur der Moderne, ein Kunstgenuss pur,
versprach es
und so zog auch ich durch die Hallen
und manch’ Exponat konnte durchaus gefallen.
Und hab’ ich hier auch die Erkenntnis gewonnen:
Kunst kommt wohl von “Können”
 -
doch mehr von “Drauf Kommen”.

© Thomas Koppe, 2007